Landesturnverband
Steiermark

Sportakrobatik

Sportakrobatik ist ein weltweit verbreiteter Sport mit besonderer Beliebtheit und Tradition vor allem in Osteuropa, den USA, in China, Japan und den Bene- luxländern. Wettkampfmäßig gibt es zwei Disziplinen: Die kraft- und balanceorientierte und die schwungorientierte Kür, die jeweils von Paaren, Trios oder Quartetten der Damen und/oder Herren ausgeübt werden. Bei der WM sind alle Kontinente am Start. Auf Grund dieser hohen Organisiertheit ist es wahrscheinlich, dass Sportakrobatik ab 2008 olympische Bewerbsdisziplin sein wird. Im Herbst 1999 hat der Österreichische Fachverband für Turnen die Aufnahme der Disziplin Sportakrobatik in sein Programm beschlossen. Dieser Entscheidung voraus ging die Selbstauflösung des Int. Sportakrobatikverbandes und dessen Aufnahme in den Weltturnverband FIG.

In Österreich ist Sportakrobatik bislang eher weniger verbreitet. Der kleine (2000 freiwillig selbst aufgelöste) Sportakrobatikverband ÖSAV, mit dem der ÖFT äußerst positive Verhandlungen geführt hatte, setzte vor allem Schwerpunkte im Schulsport und in der Basisarbeit. Noch werden die Österreichischen Meisterschaften nicht nach dem Int. Schwierigkeits-Reglement ausgetragen. Doch zukünftig werden Synergieeffekte durch den Zugang zu den über 500 heimischen Turnvereinen und verstärkte Leistungssportaktivität angestrebt.

Die älteste Turnsportart der Welt
Die weit verbreitete Meinung, Sportakrobatik sei vor allem etwas für ausgediente Turnerinnen und Turner, ist Unsinn, auch wenn sich solche der Sportart zuwenden. In den Hochburgen der Akrobatik ist diese Sportart völlig eigenständig und erfährt kaum Berührungen mit dem Kunstturnen. In Wahrheit ist die Akrobatik sogar die älteste Turnsportart der Welt, die im alten Ägypten ca. 2300 Jahre vor Chr. ihre Wurzeln hat. Der Begriff Akrobatik findet seinen Ursprung im griechischen Wort akrobatos (Er, der auf Fußspitzen steht) und entwickelte sich über die Zirkusartistik zur heutigen Sportart.

Der größte Gegensatz zum Gerätturnen? Sportakrobatik ist ein echter Teamsport!
Sportakrobatik ist somit viel älter als Turnen, wie es mit dem Wirken Friedrich Ludwig Jahns (1778-1852) seinen Ursprung fand. Sportakrobatik und Gerätturnen haben aber sehr viele Gemeinsamkeiten, vor allem im Bereich der Körperspannung, Flugkoordination, Gleichgewichtsgefühl, Beweglichkeit usw. Im Gegensatz zum Turnen benutzen die Akrobaten keine Geräte, sondern nur den Körper, um Höhe und Flugphasen zu erreichen.

Sportakrobatik ist für Teams – das ist wohl der größte Gegensatz zum Gerätturnen ! Eine Übung ist nur mit zwei oder mehr Personen möglich, deren individuelles und turnerisches Können, sowie deren kooperative Fähigkeiten gefragt sind. Die Sportler müssen körperlich und psychologisch sehr nah zusammen arbeiten können.

Von Oberpartnern und Unterpartnern
Individuelle Fähigkeiten sind die Grundlage für gemeinsame Akrobatikelemente und werden am Anfang im Training vermittelt: Kraft, um den Partner zu halten und vor Allem gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Beweglichkeit, ohne die die meisten Elemente gar nicht möglich wären und ebenfalls um die Verletzunggefahr zu mindern. Körperspannung, ohne die der Unterpartner den Oberpartner nicht ausbalancieren könnte. Mut, um die Höhe und die Fluphasen zu verkraften. In der Regel steht der obere Partner im Blickpunkt, kann aber nur so viel leisten, wie ihm der Unterpartner an Möglichkeiten vorgibt. Der Oberpartner findet kein fixes berechenbares Gerät vor, sondern einen Menschen mit allen Stärken und Schwächen, der schier Unglaubliches an Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Einfühlungsvermögen leisten muss, um die Übung zu absolvieren.

Zusätzlich zu den individuellen Fähigkeiten werden die gemeinsamen Aspekte trainiert. Zu aller erst gehört Vertrauen dazu. Der Oberpartner darf sein Gleichgewicht nicht kontrollieren, sondern muss das dem Unterpartner überlassen. Dazu muss er sicher sein, dass ihn der Partner sicher balanciert oder auffängt. Weiters sollen sich Partner für ihre Leistungen respektieren. Der Unterpartner schätzt den Mut und das Vertrauen seines Oberpartners und der jener würdigt den Kraftaufwand und die Sicherheit seines Unterpartners. Eine der schwierigsten Sportakrobatikfähigkeiten ist die Synchronisation von Tempo-Elementen. Die Kunst des Unterpartners ist, in richtig koordinierter Folge den Sprung des oberen Partners mit einer Wurfbewegung zuerst aus den Beinen und dann aus den Armen kraftvoll zu unterstützen. Dabei entsteht ein Spannungsverhältnis, das in zahllosen Versuchen mit Sicherheitslonge und dicken Matten geübt wird.

„Besser als jeder Zirkus“....
Damit sich die Akrobaten an die ständig steigenden Belastungen und immer labiler werdenden Balancen gewöhnen, wird das Prinzip „vom Einfachen zum Komplizierten“ verwendet. Die Balancen werden langsam höher, die Auflagepunkte immer kleiner. Tempo-Elemente werden im Laufe der Zeit, auf immer labileren Stützpunkten gefangen und Sprünge werden komplizierter. Das Training gipfelt im Auftritt oder in der Wettkampfübung, in der die Elemente sicher und anscheinend leicht geturnt werden. Was in der Sportakrobatik derzeit Alles möglich ist, zeigen internationale Topevents. Die Wettkämpfer haben ein schier unerschöpflisches Repertoire an nahezu unmöglich scheinenden Elementen. Dies mit „so wie im Zirkus“, zu beschreiben wäre, gelinde gesagt, eine Untertreibung.

Wettkampfküren
werden auf einer 12 x 12m großen Bodenfläche gezeigt und von einem Kampfgericht bewertet. Die Präsentation erfolgt mit Musik und Choreographie (Ausname: die Balanceübung der Männergruppe. Alles soll harmonisch aufeinander abgestimmt sein und mit Balance-Elementen oder Tempo-Elementen durchsetzt sein. Auch eine kombinierte Kür mit einer Mischung aus Balance- und Tempoübungen ist möglich.

Keineswegs nur ein Leistungssport!
Doch Sportakrobatik ist nicht nur ein Leistungssport, sondern vieler Orts anzutreffen. Die Mutter, die ihr Kind „fliegen“ läßt, betreibt ebenso Akrobatik wie ein Sportlehrer, der seine Schüler aus sozialpädagogischen Gründen menschliche Pyramiden bauen läßt. Viele Übungen des Allgemeinen Turnens und Shows, die beispielsweise bei der Gymnaestrada gezeigt werden, enthalten Sportakrobatik-Elemente. Die Gemeinsamkeit der Übung stellt die antreibende Kraft dar, wobei ein wenig Platz und Matten schon genügen, um damit zu beginnen.